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0 Kommentare | Dez 16, 2009

Twitter: Maximum noch lange nicht erreicht

Es ist immer wieder interessant, wie die Fachpresse sich auf Einzelmeldungen stürzt, diese aus dem Kontext nimmt und dann vollständig neu interpretiert. Die Rede ist von diversen Artikeln in deutschsprachigen Marketing-Fachblättern, die von “Peak bei Twitter längst überschritten” berichten.

Erstaunliches entdeckt, wer solchen Meldungen versucht auf den Grund zu gehen und dabei sehr sehr schnell auf englischsprachige Meldungen stößt, die in der Headline ganz ähnlich klingen, im Artikel dann aber eine andere Wendung nehmen.

In oben genanntem Beispiel ist das sehr schön zu beobachten. Alles begann mit einem Artikel auf TechCrunch im Oktober über Hannah Montana Star Miley Cyrus, die in einem etwas flachen Rap-Song Ihre Gründe “erklärt”, warum sie Twitter nicht mehr nutzt. Hier ist Miley Cyrus:

Dies löste gleich einiges an Turbulenzen aus, denn: wenn schon die Teens nicht Twittern, wer soll es denn dann tun?!

Dem “zu Hilfe” kam dann auch noch ein Report von Morgan Stanley, dass “Teenager Twitter nicht verwenden”. Doch bevor Sie sich die Mühe machen, das oben verlinkte PDF herunter zu laden und zu lesen, lassen Sie mich Ihnen verraten, dass diese “Studie” auf die Befragung eines einzigen 15-jährigen Praktikanten bei Morgan Stanley namens Matthew Robson zurück geht. Wenigstens räumt Morgan Stanley ein, dass ihre “Studie” nicht unbedingt repräsentativ ist.

In der Tat jedoch ist Twitter insbesondere bei der Zielgruppe 25 bis 54 am aller stärksten, wie eine definitiv repräsentativere Umfrage von Nielsen ergab:

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Doch auch mit diesen Zahlen sollte man vorsichtig umgehen. Im “Kleingedruckten” der Studie findet man dann den Hinweis, dass es sich bei diesen Zahlen um die “Startseite” von Twitter handelt. Das Problem dabei ist: man betritt Twitter nicht unbedingt über www.twitter.com, sondern eher über die eigene Profilseite, die über das URL-Schema twitter.com/benutzername zu erreichen ist. Somit sind also genaue Zahlen für Altersverteilung und Wachstum nicht unbedingt über eine Messung der Startseite zu erzielen. Allerdings ergibt obige Darstellung der Nielsen-Studie dennoch einen guten ersten Eindruck über wer so auf Twitter alles ist!

Bemerkenswert finden wir dabei jene 20% der über 55-jährigen, und in der Tat können wir dieses auch an unseren eigenen Aktionen und Promotions belegen, die unter anderem mittels Twitter und anderen Social Media Sites gestützt werden.

Ein weiterer Faktor und “Auslöser” für die Nachricht, Twitter haben seinen Zenit überschritten, ist sicher auch eine andere Veröffentlichung, die kurz nach dem Miley-Cyrus-Rap-Song im englischsprachigen Raum veröffentlicht wurde. Auch hier versuchte man zu belegen, dass Twitter sich ja eigentlich schon längst in einer Stagnationsphase befinde.

Grundlage des Artikels ist eine Analyse der Suchanfragen nach “Twitter” auf Google Insights for Search, eine Weiterentwicklung von Google Trends. Sieht man sich die Zahlen an, scheint es tatsächlich so, als ob “Twitter stagniere”:

Doch tut es das wirklich? Ist es nicht vielmehr so, dass Google Insights for Search, wie der neue Name schon sagt, wirklich nur die “Sucheanfragen” auswerten kann und nicht die generelle Popularität eines Dienstes oder eine Sache? Somit erscheint die “Stagnation” natürlich in einem etwas anderen Licht. Von Januar bis Juli 2009 noch stiegen die Suchen nach Twitter: die Medien berichteten immer mehr über den Microblogging-Dienst, inzwischen jedoch ist eine gewisse Sättigung des Themas erreicht und es gibt auch kaum mehr jemanden, der noch nie in seinem Leben von Twitter gehört hat. Das erklärt natürlich auch ein gewisses Abflauen bzw. eine Stagnation der Suchanfragen nach Twitter.

Um auf die oben genannte Nielsen-Studie zurück zu kommen: das Wachstum von Twitter wird nicht durch Teenies und deren Idole angetrieben.

Ein Phänomen, das auch wir stets bei unseren Twitter-gestützten Promotions beobachten können: Twitter-Anwender sind hochgradig kommunikative Menschen, sowohl online als auch in der “echten Welt”. Und: es sind nicht die 16-jähren Teens sondern eher die 35-jährigen, beruflich erfolgreichen, überdurchschnittlich gebildeten Menschen, die an Twitter großen Gefallen finden. Das Wachstum in dieser Gruppe ist enorm hoch. Doch auch in der Gruppe über 55 sehen wir noch ein erhebliches Wachstum an neuen Twitter-Benutzern voraus. Diese Zielgruppe hat sich in den letzten beiden Jahren den Computer an sich und das Internet “erarbeitet”. Man möge hierzu nur einmal an einem beliebigen Wochentag nachmittags in den Apple Store in der Münchner Fußgängerzone gehen und sich sehr genau das Publikum der diversen Kurse für Bildbearbeitung oder Videoschnitt oder Musikproduktion ansehen: es sind dort vor allem die Generation der in den 1940er und 1950er Geborenen, die man dort antrifft und die mit großem Elan und viel Eifer nun ebenfalls das “digitale Zeitalter nachlernen”.

Twitter ist also bei weitem nicht am stagnieren, es wächst unaufhaltsam weiter und erobert neue Zielgruppen.

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